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Restaurierung eines Feldpostbriefes

Orginal

Aus dem Altbestand des Museums stammt ein Feldpostbrief aus Birkenrinde. Zusammengefaltet in einer Zigarrenschachtel überdauerte dieser Brief aus dem ersten Weltkrieg bis er im Archiv wiederentdeckt wurde. Da über das Schriftstück nichts bekannt war, entschlossen wir uns den Brief aufzufalten um etwas über den Inhalt in Erfahrung zu bringen. Eine fast 100 Jahre zusammengefaltete Birkenrinde ohne weitere Maßnahmen aufzufalten hätte ein vollständiges Zerstören des Briefes zur Folge. Deshalb suchten wir ein Verfahren zum Erweichen der Rinde um den Brief gefahrlos auffalten zu können. Weiterhin musste sichergestellt sein das die Schrift nicht durch das Erweichen unleserlich wird.
Zwischenstand

Am Fachbereich Holzkonservierung des Deutschen Schifffahrtsmuseums Bremerhaven fanden wir mit Frau Dr. Gelbrich eine Kooperationspartnerin, welche sich mit diesem seltenen Beschreibmaterial auskennt. Das im Fachbereich entwickelte Verfahren arbeitet mit Ethanoldampf und ist bereits mehrfach an Birkenrindenbriefen erfolgreich eingesetzt worden. Unser Brief war dennoch eine besondere Herausforderung, da die Rinde besonders dünn abgeschält wurde. Wenn die Holzfasern das Plastifizierungsmittel nur unzureichend aufnehmen entsteht sofort ein Bruch und die Auffaltung scheitert. Nach mehrwöchiger Lagerung im Ethanoldampf war die Birkenrinde weich genug und konnte durch Auflegen von Gewichten langsam aufgefaltet werden. Um ein ungleichmäßiges Verformen des Briefes zu verhindern ist dieser im Anschluss zwischen zwei Plexiglasplatten fixiert worden. Nun konnte die Entzifferung der nur schwach erkennbaren Schrift im eigenen Hause beginnen. Im Streiflicht unter dem Stereomikroskop ist in der linken oberen Ecke die Aufprägung eines zwei Kopekenstückes von 1912 erkennbar. Zur Verbesserung der Lesbarkeit der Bleistiftschrift erfolgte nach einem Scan die digitale Bildbearbeitung. Der geringe Kontrast vom gelblichen Untergrund der Birkenrinde zum hellgrauen Bleistiftstrich des Briefes ließ sich durch Falschfarben erhöhen. Damit konnte die ausgeprägte Handschrift des Briefautors bis auf wenige Worte entziffert werden.

Enddoku

Der Soldat Hans schreibt am 13.07.1915 seinen Eltern. Nach dem Stellungskrieg folgten nun die Märsche nach Kurland (Lettland). Er schreibt über die Fliegenplage, die wenige Post aus der Heimat und die schlechte Verständigung mit den Einheimischen. Leider ist nur der Vorname auf dem Brief enthalten.

Für die Unterstützung dieses Projektes danken wir Frau Dr. Gelbrich vom Deutschen Schifffahrtsmuseum Bremerhaven. Die digitale Bildbearbeitung führte Herr Heldenmaier durch. Mit geübtem Auge entzifferte Herr Frei (M.A.) die Handschrift.

L. Strobach
Dipl.Rest. (FH)

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