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Deutsche Jüdische Soldaten
Eine Ausstellung des Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr

Richard Stern wollte Jude und Deutscher zugleich sein. Als er am 1. April 1933 dem Boykott jüdischer Geschäfte entgegentrat, untermauerte er seinen Anspruch auf ein gleichberechtigtes Leben in der Mitte der deutschen Gesellschaft mit dem augenfälligen Hinweis auf seinen Einsatz im Weltkrieg. Das Eiserne Kreuz, der loyal und opferbereit ge- und ertragene Militärdienst, war ihm wie so vielen deutschen Juden Bürgschaft für die Integration. Angesichts des nur kurze Zeit später vom nationalsozialistischen Deutschland an den europäischen Juden begangenen Mordes mag dies irritieren. Das Befremden schwindet jedoch, sobald in den Blick kommt, dass die deutsche Nation, in die der integrationswillige Teil der jüdischen Bevölkerungsgruppe strebte, im Verlaufe des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts wie kaum eine zweite in Europa von Militär und Krieg geprägt worden war. Der sich hier abzeichnende Zusammenhang zwischen dem Dienst im Militär auf der einen Seite und auf der anderen der Eingliederung der jüdischen Minderheit, aber auch deren Ausgrenzung, die am Ende in die Vernichtung überging ‒ dieser Zusammenhang ist das Thema der Ausstellung. In fünf an die Abfolge der Epochen angelehnten Abschnitten spannt sie damit auf 69 Tafeln einen Bogen vom Zeitalter der Emanzipation bis in die Epoche der Weltkriege.

I. Bereits in der Emanzipationsdiskussion des ausgehenden 18. Jahrhunderts wurde die Aufnahme der jüdischen Bevölkerungsgruppe in den nichtjüdischen (christlichen) Untertanenverband von der Möglichkeit abhängig gemacht, deren Angehörige auch als Soldaten verwenden zu können. Während der napoleonischen Kriege dienten dann erstmals seit dem späten Mittelalter jüdische Soldaten in deutschen Armeen. Das Bild des sich als Gleichgestellter in das Aufgebot einreihenden jüdischen Landwehrmannes spiegelt die Hoffnungen und Erwartungen, die durch die beginnende, obschon nur begrenzte Emanzipationsgesetzgebung genährt worden waren.

II. Dem Einsatz in den »Freiheitskriegen« folgte zunächst die Enttäuschung. Erst die Revolution von 1848/49 schuf den ersten, wenngleich nur kurzlebigen Durchbruch zur rechtlichen Gleichstellung. Allerdings war der Militärdienst deutscher Juden in der Zeit zwischen dem Wiener Kongreß und der Jahrhundertmitte darum nicht gänzlich bedeutungslos. Im Rahmen der sich formierenden »Staatsbürgergesellschaft« konnte er namentlich in Preußen als integrationsfördernder Faktor wirken. Zumindest hat dort der Dienst jüdischer Soldaten dazu beigetragen, eine drohende weitergehende Ausgrenzung abzuwehren.

III. Dem revolutionären Gewinn folgten mit der Reaktion abermals Enttäuschung und Zurücksetzung. Doch der bald darauf wieder einsetzende Aufstieg der liberalen Bewegung, an dem auch die jüdische Bevölkerungsgruppe teilhatte, führte am Vorabend der Reichsgründung zur gesetzlichen Verankerung der rechtlichen Gleichstellung. Parallel dazu gelangten die kleindeutsch- nationalen Bestrebungen an ihr Ziel. Dass dies im Zuge dreier Kriege geschah, wertete die Rolle des Militärs in der deutschen Gesellschaft nachhaltig auf und unterstrich damit die Bedeutung des Dienstes jüdischer Soldaten für den Prozess der Integration.

IV.Im Kaiserreich blieb ‒ vor allem unter dem Eindruck der »Großen Depression« ‒ die gesellschaftliche Wirklichkeit allerdings hinter den eindeutigen rechtlichen Zusagen zurück. Zu der hergebrachten Judenfeindschaft trat der »moderne« Antisemitismus, der sich angesichts der in Deutschland verbreiteten »Militärfrömmigkeit« nach Kräften darum bemühte, das Bild von dem jüdischen Soldaten zu schwärzen. Dies hinterließ gerade auch im Militär seine Spuren. Vormals eher zugunsten der Integration wirkend, wandelte es sich mehr und mehr zu einem herausragenden Ort der Diskriminierung. Wie nahezu alle Einjährig-Freiwilligen jüdischen Glaubens, die nach 1885 dienten, musste auch Walther Rathenau es hinnehmen, dass ihm der begehrte Reserveoffizier-Status vorenthalten wurde.

V. Als der Erste Weltkrieg begann, verbanden wiederum viele mit dem Einsatz im Kriege die Hoffnung, damit die letzten Integrationsdefizite überwinden zu können. Tausende meldeten sich freiwillig, und am Ende hatten von den ungefähr 550 000 Angehörigen der jüdischen Minderheit etwa 100 000 dem Reich als Soldaten gedient. Im Ergebnis des Krieges wurde das Ziel der Integration auch erreicht, wenngleich auf andere Weise, als 1914 noch erwartet worden war. Die Revolution mit dem aus ihr hervorgegangenen Weimarer Rechtsstaat räumte die letzten Schranken beiseite. Gleichzeitig aber verschaffte die Katastrophe des Krieges dem Antisemitismus eine Massenbasis, die nicht wahrhaben wollte, dass die jüdische Bevölkerungsgruppe die Last der bis dahin unerhörten Mobilisierung geteilt hatte. Mit den Nationalsozialisten 1933 zur Macht gelangt, betrieben die Verfolger die Ausgrenzung der Juden und schließlich deren Vernichtung. Vor dem Mord lag der Rufmord. Gerade in den Augen der Feinde, die immer wieder den »Soldaten« zur deutschen Integrationsfigur erhoben, hatte der deutsche jüdische Soldat nicht sein dürfen. Sie verleugneten ihn. Der jüdischen Minderheit aber war es wichtig, dass ihre Angehörigen gleich den Nichtjuden im Militär dienten. Die Erinnerung an diesen Ausschnitt jüdischen Lebens in Deutschland gilt es gegen die Spätfolgen antisemitischer Agitation zu bewahren.

 


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Tel.: 030 3687 2601
Fax: 030 3687 2610

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